Mittwoch, 22. Juli 2015

Der sterbende Dino



Dass Dinosaurier irgendwann sterben mussten, war zwangsläufig. Zu groß, zu behäbig, zu schwerfällig waren sie. Sie passten einfach nicht in ihre Zeit. So kam es, dass sie irgendwann ausstarben. Sei’s drum, es ist ja nicht weiter schade.

Bedauerlich dagegen ist das Aussterben zeitgenössischer Dinosaurier wie die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Bei ihrer Gründung im Jahr 2001 zählte sie noch 2,81 Millionen Mitglieder. Damals war sie noch größer als die Industriegewerkschaft Metall, heute ist sie die zweitgrößte Einzelgewerkschaft in der Bundesrepublik. Die Mitgliederzahlen kennen bei ver.di nur eine Richtung. Und zwar die nach unten. Angeblich wurde mittlerweile die Kehrtwende geschafft. Das war im Jahr 2014. Der Trend hielt nur kurzfristig an. Mittlerweile sinken die Mitgliederzahlen wieder. Und damit klingen die Phrasen von der Umkehr zur neuen Stärke unglaubwürdig und die Bekräftigungen irgendwie hohl. So hatte ver.di Ende 2014 nur noch 2,04 Millionen Mitglieder. Das wäre sicherlich immer noch beachtlich, wenn es stimmen könnte. Doch dagegen sprechen die aktuellen Strategien und die derzeitige Politik in ver.di.

Denn der sterbende Dinosaurier namens ver.di reagiert nur allzu schwerfällig auf die Umstände und Herausforderungen der aktuellen Zeit. Das erkennt man sehr gut am derzeitigen Tarifvertrag, der zwischen ver.di und der Deutschen Post AG ausgehandelt worden ist. Obwohl die streikenden Postmitarbeiter es schafften, den gesamten Postbetrieb nahezu lahmzulegen, konnte ver.di ihre legitimen Forderungen nicht durchsetzen. Die Zergliederung der Deutschen Post AG wurde nicht aufgehalten oder rückgängig gemacht. Und somit verdienen auch weiterhin die Arbeitnehmer für die gleiche Arbeit unterschiedlich. Schließlich gibt es bei der Post noch zahlreiche Beamte, aber auch Angestellte, private Auftragnehmer und Leiharbeiter. Dieser Missstand sorgte einerseits für Verstimmung bei den Mitarbeitern in den ausgegliederten Betrieben sowie bei den Leiharbeitern. Andererseits sind unbefristet angestellte Mitarbeiter im Mutterkonzern zufrieden. Es ist kaum auszudenken, dass die unzufriedenen Mitglieder nach dem langen und aufreibenden Arbeitskampf weiterhin Mitglieder bleiben werden.

Ein weiteres Beispiel: Real mit knapp 60.000 Arbeitnehmern. Die Einzelhandelstochter der Metro-Gruppe kündigte trotz der vielen Mitarbeiter den Flächentarifvertrag auf. Kurz und knapp nennt man das Tarifflucht. Das hat zur Folge, dass zahlreiche Real-Mitarbeiter künftig schlechter finanziell entgolten werden. Doch ein klares Konzept zur Bekämpfung der Tarifflucht fiel ver.di bislang nicht ein. In den deutschen Medien ist das Thema auch nicht präsent. Es ist kaum auszudenken, dass die unzufriedenen Mitarbeiter bei Real ver.di langfristig die Treue halten werden oder gar ver.di beitreten werden.

Ein letztes Beispiel: Die Erzieher und Sozialarbeiter. Seit Monaten streiken die Mitarbeiter der kommunalen Kindertagesstätten. Die Erzieher und Sozialarbeiter kämpfen für eine höhere Eingruppierung in den Gehaltsgruppen. Derzeit ist Sommerpause und die Zukunft ungewiss. Ob es demnächst erneut zu Streiks kommen wird, ist ebenfalls ungewiss. ver.di fürchtet eine geringere Streikbeteiligung. Sollte jedoch die Streikfreude ungebrochen sein oder gar noch ausgebaut werden, ist selbst eine höhere Eingruppierung in den Gehaltsgruppen nicht zwangsläufig ausgemacht. So stellte der Politikwissenschaftler Torsten Bewernitz aus Münster in seinem Buch „Die neuen Streiks“ fest, dass langanhaltende Streiks sehr oft nicht den gewünschten Effekt erzielen. Und so können die Erzieher und Sozialarbeiter auch noch so hart streiken, ihre Forderungen werden nicht erfüllt. Schließlich tragen sie mit ihrem Streik zur Schuldenkonsolidierung der klammen Kommunen bei. Die Kommunen müssen nämlich nichts an die streikenden Angestellten zahlen, kassieren aber trotzdem die Kindergartengebühren von den Eltern ein. Und somit ist auch hierbei kaum auszudenken, dass die unzufriedenen Erzieher und Sozialarbeiter ver.di langfristig die Treue halten werden oder gar ver.di beitreten werden.

ver.di ist nämlich zu schwerfällig. Es ist zu wenig Mitgliederorganisation, obwohl sie ständig Demokratie proklamiert. Über Tarifverträge wird nur selten abgestimmt, außerdem herrschen in ver.di das Quoten- sowie das Delegiertenprinzip. Das verhindert den ehrlichen Aufstieg von fähigen Personen und das Durchsetzen von neuen Ideen. Gleichzeitig ist ver.di stark überaltert. Zwar hält sich die ver.di-Jugend gut, doch in den Altersstrukturen danach brechen die Mitgliederzahlen ein. Das ist fatal für eine Organisation. Das Altersproblem verdeutlicht sich auch beim Blick auf die hauptamtlichen Mitarbeiter. Die meisten der ver.di-Mitarbeiter gehören der Generation 50 plus an und verkörpern damit keine Strahlkraft auf die jüngeren Generationen.

Und so ist ganz klar, dass ver.di auf lange Sicht weiterhin Mitglieder verlieren wird. Die aktuellen Zahlen scheinen allerdings allzu geschönt. 2,04 Millionen Mitglieder sind es definitiv nicht. Denn dagegen spricht die Auflagenstärke der Mitgliederzeitung ver.di Publik. Die Auflage dieser Zeitung liegt bei rund 1,91 Millionen. Jedes Mitglied kriegt diese Zeitung kostenlos, denn sie ist im Mitgliedsbeitrag mit inbegriffen. Außerdem gibt es keine Einrichtung zur Abbestellung der Zeitung. Ferner wird die Zeitung auch im stärkeren Umfang, als es die tatsächlichen Mitgliederzahlen hergeben, gedruckt. Schließlich liegt die Zeitung in jeder Geschäftsstelle zahlreich kostenlos aus. Und dann gibt es die Möglichkeiten des Abonnements für Nicht-Mitglieder. Insofern ist ver.di’s Mitgliederzahl auch weitaus geringer als 1,91 Millionen.

Der Kollaps des sterbenden Dinosauriers ist also unmittelbar. Da hilft auch kein Botox. Und aus dem Pferderennen weiß man, dass man niemals auf einen altes Tier setzen sollte. Dieser Umstand ist sicherlich schade.

Sonntag, 19. Juli 2015

Die Schwierigkeiten mit dem guten Willen



In linken Kreisen ist die Erkenntnis gereift und weit verbreitet, dass wir in einer Dumpinglohn- und Billigpreisgesellschaft leben. Das ist natürlich richtig. Alles soll billig sein, um wettbewerbsfähig zu sein. Die Produkte, die man im Supermarkt kauft, sollen billiger als bei der Konkurrenz sein. Doch das führt dazu, dass ausländische oder heimische Leiharbeiter, Werkvertragsnehmer oder andere Niedriglohnempfänger die Güter produzieren. Schließlich lassen sich nur noch dadurch Gewinne erzielen. Und das auf Kosten der Arbeitnehmer. Das Verrückte dabei ist, dass einerseits dieses Prekariat auf ihre eigenen Produkte zurückgreift und damit den Preisdruck befeuert, weil sie sich keine teureren Produkte leisten können. Und anderseits gehen selbst besser situierte Kunden ein Bündnis mit den Billiganbietern ein und befeuern damit zusätzlich die Preisspirale nach unten. Das ist alles vollkommen normal und menschlich. Jeder will sich neben der Befriedigung der Grundbedürfnisse noch einen anderen Luxus leisten können. Man lebt eben nicht nur für Arbeit und Regeneration, sondern auch für das Schöne im Leben. Und da ist alles Billige recht.

Jedoch beginnen die Schwierigkeiten, wenn man sich gegen die Preisspirale nach unten stellen will. Aldi, Lidl, Netto – zu billig und ausbeuterisch. Also Edeka und Rewe? Das ist auch nicht die bessere Lösung, wie der SPIEGEL mit seinem Artikel „Super Image, super Bluff“ (30/2015) aufdeckt. Anhand von Edeka wird nachgewiesen, wie Deutschlands größter Lebensmittelhändler die Preise auf seine Waren drückt, gleichzeitig Betriebsräte auflaufen lässt und oftmals den Mindestlohn umgeht. Man kann also bei Edeka nicht sein Gewissen erleichtern und zu vernünftigen Preisen einkaufen. Das Aldi-/Lidl-Prinzip findet also auch bei Edeka Anklang. Eigentlich hätte das längst offensichtlich sein müssen, wenn man sich die Edeka-Tochter Netto vor Augen führt. Dort herrschen seit Jahren elendige Bedingungen. Betriebsräte haben es bei Netto absolut nicht leicht, gleichzeitig unterliegt Netto dem Kostendruck. So ist es halt bei Discountern. Dafür stehen sie. Billige Preise, schlechte Arbeitsbedingungen.

Doch der Gang zur teureren Konkurrenz bringt oftmals auch nicht die erhoffte Erleichterung. Vergleicht man manche Preise, stellt man fest, dass sich selbst Marken-, Bio- oder heimische Produkte preislich auf dem gleichen Niveau wie beim Discounter bewegen. Edeka ist damit eben nicht einfach teurer und somit besser.

Ein anderes Problem geht trotz Erkenntnis vieler linker Kunden einher. Sie erkennen zwar die gesellschaftlichen Missstände, jedoch kaufen sie weiterhin am liebsten preisgünstig ein. Auch wenn sie etwas besser verdienen. Das verdeutlicht den miserablen Stand der Solidarität. Ging Karl Marx noch von einer zwangsläufigen Brüderschaft unter den Arbeitern aus, zeigt sich heute, wie sehr diese mittlerweile aufgebrochen ist.

Improvisationen in Zwangsjacke

Laut FAZ ist 2015 das Jahr von Cordula Stratmann. Gleich mit zwei Serien steht sie freitags am Start. In der ARD mit „Die Kuhflüsterin“ im Vorabendprogramm und im ZDF mit „Ellerbeck“ in der Late Night. Wenn das kein Grund zur Freude ist…

Schließlich brillierte Stratmann in der Improvisationsunterhaltungsserie „Schillerstraße“ und erlangte damit bundesweite Berühmtheit. In „Schillerstraße“ war Stratmann spontan, schlagfertig und urkomisch. Doch zwischenzeitig wurde sie schwanger, gebar ein Kind, nahm Mutterschutz sowie Kreativpause und stieg bei „Schillerstraße“ aus. Sie konnte es sich erlauben, und es sei ihr auch absolut gegönnt.

2010 kehrte sie mit „Wir müssen reden!“ zurück. Diese Sendung floppte, ganz unergründlich. Und nun also der Doppelschlag mit „Die Kuhflüsterin“ und „Ellerbeck“. Zumindest tun ARD und ZDF etwas, um ihren Star zu hypen. Und das ist das Einzige, was wirklich richtig zündet.

Zuerst „Die Kuhlüsterin“: In dieser ARD-Vorabendserie spielt Stratmann die Tierheilpraktikerin Bellinda Mommsen, eine alleinerziehende Mutter und Öko-Tante aus dem fiktiven Ort Oberbreitbach irgendwo im südlichen Rheinland. Dort behandelt sie treffsicher Tiere und sehr oft auch Menschen. Letzteres sorgt für regelmäßigen Ärger mit der zuständigen Ordnungsdezernentin Edith Merkes. Aber egal, das Leben hat ja noch mehr zu bieten. So etwa den ansehnlichen Polizisten Winfried „Winnes“ Wöllner vom BKA, der früher Personenschützer war und danach strafversetzt wurde. Und zwar nach Oberbreitbach, wo er sogenanntes Home Office macht. Wie das effektiv funktionieren soll, bleibt in der Serie offen. So ist Wöllner vielmehr ständig damit befasst, zu trainieren, sein Haus einzuräumen, etwas zu reparieren und in der Kneipe zu sitzen. Doch tatsächliche Polizeiarbeit sieht man ihn nie verrichten. Scheinbar ist das die tatsächliche Arbeit beim BKA. So zumindest wird es in der Serie vermittelt. Jedenfalls verbindet Wöllner und Mommsen eine Hassliebe, schließlich hat Wöllner einen Drittel des Stalls von Mommsen einverleibt. Denn der Stall steht zu diesem gewissen Anteil auf seinem Grund und Boden. Somit hat Mommsens Kuh namens „Mutti“ keine trockene, warme Unterkunft mehr und muss draußen stehen. Dass das Rindvieh von Mommsen „Mutti“ heißt, ist aber auch der einzige Lacher in der ganzen Sendung. Zumindest bislang.

Denn bisher liefen nur sechs der insgesamt acht Folgen und man fragt sich, was noch kommen wird. Zwar haben die Charaktere ein Mindestmaß an Tiefgang, zumindest für eine ARD-Vorabendserie. Doch das allein hilft auch nicht weiter, wenn der Sinn der Sendung ausgespart bleibt. Wird also Bellinda Mommsen ihren Winnes Wöllner kriegen? Man weiß es nicht. Auf alle Fälle wird es nicht allzu viele Lacher geben, denn dazu waren die bisherigen Folgen viel zu lahm. Doch es bleibt ja noch Freitag, der 24. Juli 2015. Denn dann werden die letzten beiden Folgen ausgestrahlt.

Und nun „Ellerbeck“: Obwohl die Serie beim ZDF noch nicht wirklich an den Start ging, gibt es bereits alle Folgen in der Mediathek. Somit muss man nicht bis Freitag, den 24. Juli 2015, warten. Diese Serie weißt gewisse Parallelen zu Stratmanns ARD-Serie auf. Wieder einmal ist Stratmann Öko. Sie spielt die Kindergärtnerin Sabine Ebert und engagiert sich als Aktivistin einer Öko-Bürgerinitiative im fiktiven Ort Ellerbeck im Emsland. Zwar gab es irgendwann einmal einen Ort namens Ellerbeck, doch der lag im Osnabrücker Land und wurde eingemeindet. Na ja…

Jedenfalls wird sie durch Zufall Bürgermeisterin ihres Ortes. Weil die Mitbürger keinen Schweinemastbetrieb in ihrer Kleinstadt haben wollten, weil ihre Freundin schwanger wurde, und weil sie vor versammelter Mannschaft ein Kinderlied mit dem kleinen Quintus sang. Der arme, kleine Quintus weinte nämlich auf einer Versammlung, weil die gute Ebert ihre bisherige Tätigkeit für das Bürgermeisteramt aufgeben wollte. Dadurch gewann Ebert mit einem hauchdünnen Vorsprung die Wahl und wurde entgegen aller Erwartungen sowie Bekräftigungen Bürgermeisterin. Wo gibt es das sonst als in Ellerbeck?

Fortan musste sich Ebert mit dem Baustopp des Schweinemastbetriebs herumschlagen, ihr Privatleben besser organisieren und sich Angriffen ihres verhassten Vorgängers erwehren. Alles meisterte sie gut, obwohl „Politik ein dreckiges Geschäft ist“. War Ebert anfangs noch unbeholfen, wuchs sie immer mehr und wurde letzten Endes Cordula Stratmann, wie sie immer ist. Wow, was für eine Wandlung.

Die Serie ist eine misslungene Mischung aus „Stromberg“, „Neues aus Büttenwarder“ und der dänischen Serie „Borgen“. „Stromberg“, weil die Serie wie ein fiktives Porträt mit manchmal irrsinnigen Statements gehalten ist. „Neues aus Büttenwarder“, weil es in Norddeutschland der dummen Leute spielt. Und „Borgen“, weil es um Macht geht. Allerdings wachsen die Charaktere nicht mit der Macht. Sie werden dadurch auch nicht korrumpiert, wie es so üblich ist. Sie bleiben einfach die guten Ökos, die sie immer waren. Immer gegen Massentierhaltung, Spießertum und Konservativismus. Dagegen sind sie scheinbar irgendwie für ökologische Tierhaltung, Umweltschutz, Tierschutz, Kinderbetreuung und einen frischen Wind. Sie hegen auch irgendwie Sympathien für Griechenland, dem europäischen Traumziel aller Hippies. Und so hat eine Nebendarstellerin eine Liebschaft mit einem griechischen Jüngling, der aussieht wie Dschochar Zanajew, den Attentäter auf den Boston-Marathon. Das ist alles.

Allerdings offenbart diese Serie die negativen Knackpunkte der hiesigen Grünenbewegung. Sie gerieren sich als links, doch verändern wollen sie nichts. Sie versprechen alles und stehen vor Problemen. Alle trinken lieber Wein als ein gepflegtes Bier. Sie bekämpfen Schweinemast, um anschließend den großen Gyrosteller zu bestellen. Sie verteufeln Luxushotels, um klammheimlich das Wellness-Programm zu genießen. Sie sind für Windkraft, solange der nicht vor der eigenen Haustür produziert wird. Sie verteufeln den Konservativismus, um sich dennoch mit Wirtschaftsberatern von McKinsey zu verbünden. Und dann sind sie gegen Migranten, wenn diese ihnen den Arbeitsplatz wegnehmen. Doch am Ende ist ja immer alles gut und war alles richtig.

Doch in „Ellerbeck“ erkennt man nicht nur Elemente aus „Stromberg“, „Neues aus Büttenwarder“ und „Borgen“ wieder. Ein bisschen erinnert „Ellerbeck“ auch an die US-Serie „30 Rock“. Der Öko-Lehrer, der sich so ungern wäscht und trotzdem öko fühlt, erinnert rein äußerlich an Frank Rossitano. Allerdings ähneln sich Rossitano und der Ehemann von Ebert charakterlich eher. Der Vorgänger im Bürgermeisteramt weist irgendwie Ähnlichkeiten zu Jack Donaghy auf, obwohl er keine Freundschaft zu Ebert pflegt. Die Wirtschaftsberaterin wirkt irgendwie Jenna Maroney. Und überhaupt scheint Ebert, Liz Lemon, gespielt von Tina Fey, nachempfunden zu sein.

Und so sehr es vielleicht auch Ähnlichkeiten gibt, so sehr unterscheiden sich auch beide Serien. Zwar sind Stratmann und Fey verdammt lustig, wenn es darauf ankommt. Doch „30 Rock“ ist unterhaltsamer und schneller. Dagegen fragt man sich bei „Ellerbeck“, wie lange die Folge noch geht, und wundert sich, dass erst fünf Minuten vergangen sind. „Ellerbeck“ entführt in eine Welt, in der schon alles gesagt worden und alles klar ist. Das macht es so langweilig. Durch ein festes Drehbuch ist Stratmann festgelegt. Es fehlt die Spontanität. Und so ist es nicht sehr unterhaltsam, als Ebert und Klaus ihre Rolle als Schützenkönigspaar üben und parodieren. Es ist allzu vorhersehbar. Dagegen wirkt „30 Rock“ immer wieder spontan, auch wenn man sich die Folgen immer wieder neu ansieht. So etwa, als Liz Lemon ihren Freund und Chef Jack Donaghy aus der Klemme hilft, indem sie auf die Bühne eilt und schlechte Witze erzählt, um dann die Bluse zu öffnen. Urkomisch. „30 Rock“ ist wohl das Maß der zeitgenössischen TV-Unterhaltung. Doch nicht jedem deutschen Versuch gelingt es, eine entsprechende Serie nachzuempfinden. „Ellerbeck“ ist zwar etwas humorvoller als „Die Kuhflüsterin“, aber stinkend langweilig.

Trotzdem ähneln sich beide Komikerinnen sehr. Ihre Fernsehkarriere begann spät, und sie sind keine Schauspielerin. Und das ist dann auch vielleicht der Grund, weshalb es bei „Die Kuhflüsterin“ nicht zum Kuss zwischen Mommsen und ihrem Polizisten kommen wird. Aber egal, eine Fortsetzung von „Die Kuhflüsterin“ oder „Ellerbeck“ wird es hoffentlich eh nicht geben.

Gourmetmeile in Schwerin



Mecklenburg-Vorpommern ist bislang für seine Schönheit und seine Festspiele bekannt. Doch niemand würde erahnen, dass es dort auch kulinarische Höhepunkte gibt. Zu fade wirkt die mecklenburgische Küche in den Kochbüchern. So ekelig die Pommersche, wenn man laut Rezept mit Tierblut arbeiten solle. Doch natürlich geht es auch ganz anders und etwas zeitgenössischer.

So etwa am Freitag, dem 17. Juli 2015. Da war im Schweriner Schlossgarten die Gourmetmeile. Viele Gäste waren begeistert. Selbst Sternekoch Tillmann Hahn war da. Das belegen die Bilder. Hahn verfasste das Kochbuch „Hahn kocht Fisch“. Als er das geschrieben hat, war er Chefkoch der Yachthafenresidenz „Hohe Düne“ in Rostock-Warnemünde. Mittlerweile ist er in Kühlungsborn tätig. Dennoch sorgt er auch weiterhin für kulinarische Höhepunkte. So zauberte er am Freitag ein Drei-Gänge-Menü aus Carpaccio als Vorspeise, Kalbsbäckchen mit Sellerie-Kartoffelstampf und Pfifferlingen als Hauptgericht sowie Schokoküchlein mit Erdbeeren als Nachspeise. Auch das Menü sorgte für große Anerkennung.
 
Doch ein weiterer kultureller Höhepunkt befindet sich in unmittelbarer Nähe. Nimmt man den Rückweg durch den abendlichen Schlossgarten, erhält man Eindrücke der aktuellen Schweriner Schlossfestspiele. Dieses Jahr ist es nämlich „La Traviata“ von Guiseppe Verdi.

Freitag, der 17. Juli 2015, war also ein kulturelles Highlight, zumindest wenn man sich in Schwerin aufhielt. Nächstes Jahr wird es natürlich wieder zeitgleich Schlossfestspiele und Gourmetmeile geben. Also Termin merken und auf geht’s!